⇽ Zurück zur Übersicht

effectiv Trainingscenter

BMI & Co. - wiegen ist nur die halbe Miete

Wenn Du den Begriff Body-Mass-Index in die Suchmaschine von Google eingibst, erhältst Du ungefähr 913.000.000 Ergebnisse. Da sollte man doch meinen, dass der Body-Mass-Index – kurz BMI – auch heute noch mehr als relevant ist. Aber ist er tatsächlich noch zeitgemäß?

© effectiv Trainingscenter
FITNEWS teilen:


Was ist der „BMI“, von dem man gerade in der heutigen Zeit immer mehr hört, und wer hat ihn erfunden? Nichts dran ist jedenfalls an dem Gerücht, dass der BMI von amerikanischen Versicherungsgesellschaften erfunden worden sei, um die gesundheitlichen Risiken ihrer Kunden einschätzen zu können. Tatsache ist vielmehr, dass der BMI schon uralt ist. Er wurde 1832, also vor fast 200 Jahren, von dem belgischen Mathematiker Adolphe Quetelet entwickelt, der sich einen großen Ruf durch seine bahnbrechenden anthropometrischen Arbeiten erwarb. 

Er suchte eine Formel, mit der er die moralischen und physischen Entwicklungen der Menschen bewerten und vorhersagen konnte. Quetelet gilt als Begründer der modernen Sozialstatistik, aber an eine Einteilung der Menschen in Normalgewichtige, Übergewichtige und Adipöse – wie wir das heute mit seinem BMI tun – hat er damals bestimmt nicht gedacht.

Der BMI wird seit Jahren international als Orientierungsmaß für Normal-, Über- oder Untergewicht angewandt. Er berechnet sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm dividiert durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat. Menschen mit BMI-Werten zwischen 18,5 und 24,9 haben laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Normalgewicht, von 25,0 bis 29,9 Übergewicht und ab 30,0 beginnt der Bereich der Adipositas (Tab. 1).

 

 

 

 

 

Gewichtsklassifizierung nach WHO

BMI (kg/m2)

Untergewicht

< 18,5

Normalgewicht

18,5 – 24,9

Übergewicht

25,0 – 29,9

Adipositas Grad 1

30,0 – 34,9

Adipositas Grad 2

35,0 – 39,9

Adipositas Grad 3

über 40,0

Tab. 1

 

Wie und wann solltest Du Dich wiegen, um Deinen BMI zu ermitteln? Immer zur gleichen Zeit, z.B. vor dem Frühstück, am besten unbekleidet. So lassen sich Gewichtsschwankungen, etwa durch unterschiedliche Kleidung oder unterschiedlich große Trinkmengen, weitgehend ausschließen. Es reicht völlig aus, sich einmal pro Woche zu wiegen. Verändert sich Dein Körpergewicht um ein Kilogramm von einer Woche auf die andere, so kann dies auf Wasserverschiebungen beruhen. Diese sind völlig normal und haben nichts mit Veränderungen des Körperfettanteils zu tun. 

Ursprünglich war der BMI für gesunde Nichtsportler konzipiert. Da Muskelgewebe aber schwerer als Fettgewebe ist und Sportler – vor allem Kraftsportler – deutlich mehr Muskelmasse als Nichtsportler haben, weist der BMI für Athleten zu hohe Werte aus. Vitali Klitschko wäre mit einer Körpergröße von 1,98m, einem Gewicht von 110kg und einem daraus resultierenden BMI von 28,06 als übergewichtig und fast adipös einzustufen. 

Im Kraftsport ist der BMI als Kriterium für Übergewicht somit nur äußerst begrenzt aussagefähig. Vielmehr ist ein BMI-Wert über 25, insbesondere bei Sportlern, meist ein Hinweis auf eine große Muskelmasse. Darüber hinaus berücksichtigt der BMI weder den individuellen Körperbau, noch sagt er etwas darüber aus, wo sich das Körperfett konzentriert. So geht der berüchtigte Rettungsring um den Bauch viel häufiger mit Krankheiten wie Diabetes und Herzinfarkt einher als der Speck an Beinen oder Armen.

 

THV: Apfel- oder Birnentyp?

In den letzten Jahren hat sich daher ein anderer Wert zur Einschätzung des gesundheitlichen Risikos etabliert und zwar der THV, das Taille-Hüfte-Verhältnis (im englischen Sprachraum WHR genannt). Der Umfang der Taille wird dabei in Bauchnabelhöhe gemessen, wobei der Bauch nicht eingezogen werden darf. Der Hüftumfang wird an der breitesten Stelle des Gesäßes gemessen. Bei beiden Messungen achte bitte darauf, dass das Maßband gerade anliegt und nicht zu stramm angezogen wird. Um Deinen THV zu berechnen, teile einfach den Taillenumfang durch den Hüftumfang. Beispiel: bei einem Taillenumfang von 90cm und einem Hüftumfang von 100cm errechnet sich der THV zu 0,9.

Bei Männern sollte der THV kleiner als 1,0 sein, bei Frauen kleiner als 0,85 (siehe Tab. 2). Je größer der THV, desto ungünstiger ist die Fettverteilung und desto höher damit das Risiko, an koronaren Herzleiden zu erkranken. Dafür verantwortlich ist nämlich weniger der Körperfettgehalt als vielmehr die Körperfettverteilung. 

 

Einstufung nach dem THV

 

Frauen

Männer

Adipositas

> 0,85

> 1,0

Übergewicht

0,8 – 0,84

0,9 – 0,99

Normalgewicht

< 0,8

< 0,9

Tab. 2

 

Von einem „Apfeltyp“ spricht man bei Frauen bei einem THV größer 0,85 und bei Männern bei einem THV größer 1,0. Der Apfeltyp speichert sein Fett hauptsächlich in der Bauchgegend. Vor allem das innere Bauchfett, das sogenannte viszerale Fett, ist negativ für die Gesundheit, da es äußerst stoffwechselaktiv ist und die Entstehung von Diabetes, Bluthochdruck und anderen Erkrankungen begünstigt.

Von einem „Birnentyp“ spricht man bei Frauen bei einem THV kleiner 0,85 und bei Männern kleiner 1,0. Bei den Birnentypen befinden sich die Fettdepots in erster Linie an den Beinen und am Po. Dieses Fett ist gesundheitlich viel unbedenklicher, da es nicht so stoffwechselaktiv ist wie das innere Bauchfett. Allerdings bekommt man es dadurch auch schwerer los als das Bauchfett.

Interessanterweise gibt es sogar wissenschaftliche Untersuchungen darüber, bei welchem THV Frauen auf Männer besonders attraktiv wirken. Im Jahre 1993 wurden an der Universität Austin in Texas 700 Männer befragt. Das Ergebnis war eindeutig: Frauen mit einem THV von 0,7 und weniger wurden als besonders attraktiv beurteilt. Eine andere Untersuchung (Singh 1994) bewies allerdings, dass dies auch in die andere Richtung gilt: Männer werden von Frauen als besonders anziehend empfunden, wenn sie mit einer schmalen Hüfte, breiten Schultern und einem knackigen Hintern aufwarten können.

 

Das Taille-Größe-Verhältnis WHtR

Nach Forschungen der Münchener Ludwig-Maximilian-Universität gestattet der WHtR-Wert (Waist to Height Ratio = Verhältnis von Bauchumfang zu Körpergröße) im Vergleich zu BMI und THV eine deutlich genauere Aussage über die Verteilung des Körperfetts und hat somit die größte Aussagekraft bezüglich der gesundheitlichen Relevanz von Übergewicht.

Der WHtR ist besser als Index für die Bewertung von gesundheitlichen Risiken geeignet, da noch genauere Rückschlüsse auf den gesundheitlich bedenklichen Bauchfettanteil gezogen werden können. Bauchfett geht in der Regel mit einer Verfettung der inneren Organe einher und ist somit ein hoher Risikofaktor für Arterienverkalkung, Herzinfarkt, Schlaganfall, Bluthochdruck und Diabetes. Der Bauchumfang in Abhängigkeit von der Körpergröße ist somit ein wichtiger Maßstab zur Bestimmung bestimmter Gesundheitsrisiken.

Der Vorteil des WHtR gegenüber dem THV ist auch darin begründet, dass man mit einer einzigen Messung des Bauchumfangs auskommt, da die Körpergröße konstant ist. Messe Deinen Bauchumfang zweimal hintereinander auf Nabelhöhe und nehme den Mittelwert. Teile diesen Mittelwert durch Deine Körpergröße in cm. In Tabelle 3 kannst Du dann erkennen, wie hoch Ihr gesundheitliches Risiko ist. Beispiel: bei einem Bauchumfang von 90 cm und einer Körpergröße von 190 cm errechnet sich ein WHtR von 0,5.

 

Einstufung nach dem WHtR

 

bis 40 Jahre

42

44

46

48

ab 50 Jahre

Schwere Adipositas

über 0,68

über 0,70

über 0,72

über 0,74

über 0,76

über 0,78

Adipositas

0,57-0,68

0,59-0,70

0,61-0,72

0,63-0,74

0,65-0,76

0,67-0,78

Übergewicht

0,51-0,56

0,53-0.58

0,55-0,60

0,57-0,62

0,59-0,64

0,61-0,66

Normalgewicht

0,40-0,50

0,40-0,52

0,40-0,54

0,40-0,56

0,40-0,58

0,40-0,60

Untergewicht

unter 0,40

unter 0,40

unter 0,40

unter 0,40

unter 0,40

unter 0,40

Tab. 3

 

Das Beste zum Schluss: die BIA

Zur bestmöglichen Beurteilung Deiner gesundheitlichen Situation solltest Du Deinen Körperfettanteil mit Hilfe der Bioelektrischen Impedanzanalyse (BIA) bestimmen lassen. Bei der BIA wird über Elektroden ein geringer Wechselstrom durch den Körper geleitet und der dabei auftretende Spannungsabfall gemessen. 

Basierend auf dem Prinzip, dass Wasser und fettfreies Gewebe eine größere Leitfähigkeit besitzen als Fettgewebe, kann mit hoher Genauigkeit auf die fettfreie Körpermasse, vor allem Muskelgewebe, und das Gesamtkörperwasser geschlossen werden. Anschließend wird die Fettmasse als Differenz zwischen Körpergewicht und fettfreier Körpermasse berechnet. 

Für Männer reicht der Bereich des Körperfettanteils, der mit dem geringsten Risiko für Stoffwechselstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist, von 10 bis 19,9 Prozent. Da Frauen naturgemäß einen höheren Fettanteil mit günstigerer Verteilung an Po und Oberschenkel aufweisen, liegt bei ihnen der Normalbereich bei 20 bis 29,9 Prozent (Tab. 4).

 

Körperfettbereiche Erwachsener

Einteilung

für Frauen

für Männer

Sportler

12 – 25 %

5 – 15 %

Normalbereich

20 – 29,9 %

10 – 19,9 %

Übergewichtsbereich

30 – 34,9 %

20 – 24,9 %

Adipositasbereich

45 %

35 %

Tab. 4

 

Diese BIA-Messung inkl. individueller Auswertung und Beratung kannst du übrigens bei uns im Studio durchführen. Sprich dazu einfach die Trainer vor Ort an.

 

 TIPP: 

Du brauchst übrigens nicht Deinen Taschenrechner zu bemühen, um BMI, THV und WHtR zu berechnen. Im Internet gibt es viele Webseiten, auf denen Du die Werte in Sekundenschnelle berechnen kannst.