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Kaffee – das Gesundheitsgetränk

Kaffee ist nicht die Bohne ungesund. Dachte man vor einigen Jahren noch, dass regelmäßiger Kaffee-Konsum gesundheitsschädlich sei, weiß man es heute besser: zahlreiche Studien beweisen, dass genau das Gegenteil der Fall ist.

© tiero - stock.adobe.com


Immerhin 94 Prozent aller Bundesbürger über 18 Jahre trinken Kaffee, laut der Aral-Studie „Trends beim Kaffee-Genuss“, sogar jeden Tag. Dabei sind es vor allem die Älteren, die regelmäßig nach der Kaffeetasse greifen.
Durchschnittlich trinken die Deutschen also 150 Liter Kaffee pro Jahr – Tendenz steigend. Damit ist Kaffee das beliebteste Getränk der Deutschen – sogar noch vor Wasser und Bier. Das war nicht immer so. Noch im 18. Jahrhundert hielt man den Kaffee mancherorts für wahres Teufelzeugs, das man verbieten müsse. So sah der um das Volkswohl besorgte Stadtrat von Hildesheim im Kaffee einen „Volksverderber erster Ordnung“ und warnte: „Unsere Vorfahren haben ohne dergleichen Gesöff glücklich und in besserer Zufriedenheit gelebet“. Die bischöfliche Stiftsregierung erließ 1768 umfangreiche Verbotslisten, die jeden Kaffeegenuss und vor allem den Handel unter drakonische Strafen stellte. Wer dennoch dabei erwischt wurde, musste 20 Taler Strafe zahlen und zudem zwei Stunden lang am Schandpfahl zum Gespött der Leute stehen.
Das alles konnte den Siegeszug des Kaffees letztlich nicht aufhalten, der irgendwann im 16. Jahrhundert im Osmanischen Reich begann. Zuvor war der Kaffee durch Sklavenhändler von Äthiopien – dem Ursprungsland des Kaffees – nach Arabien gelangt. Ab dem 17. Jahrhundert wurden Kaffeepflanzen von den Holländern nach Java, Surinam und Brasilien verbracht und breiteten sich von dort schnell über die ganzen Tropen aus. Als wichtigste Sorten gelten heute der Robusta- und der Arabica-Kaffee. Arabica zeichnet sich durch ein reiches Aroma aus, Robusta durch einen doppelt so hohen Koffeingehalt. Daneben gibt es noch zahlreiche andere Kaffeesorten. Die teuerste Kaffeesorte der Welt – 250g kosten ca. 90 Euro – nennt sich übrigens „Kopi Luwak“ und entsteht dadurch, dass die Schleichkatzenart Luwak besonders gerne reife Kaffeekirschen frisst und wieder unverdaute Bohnen ausscheidet, die weniger Bitterstoffe enthalten, weil diese im Magen-Darm-Trakt der Katze durch Fermentation reduziert wurden. 

 

 


Heute weiß man: Kaffee ist nicht gesundheitsgefährdend, ganz im Gegenteil!


 

Kaffee ist nicht gesundheitsgefährdend
Früher wurde Kaffee oft mit Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht und Ärzte rieten zu einer Reduzierung des Kaffeegenusses. Es gab Studien, die bewiesen, dass Kaffeetrinker im Durchschnitt früher sterben. Allerdings weiß man heute, dass dies nicht eine Folge des häufigen Kaffeegenusses ist, sondern damit zusammenhängt, dass sich unter Kaffeetrinkern überdurchschnittlich viele Raucher befanden, viele „Sportmuffel“ und Alkoholkonsumenten. Außerdem isst diese Personengruppe mehr rotes Fleisch und weniger Obst und Gemüse. Es sind also gerade andere Risikofaktoren, die für die größere Sterblichkeit verantwortlich sind und nicht der Kaffeegenuss!
Auch das hartnäckige Gerücht, Kaffee wirke diuretisch, würde dem Körper also Wasser entziehen, ist nachweislich falsch. Der Bundesverband Deutscher Internisten meldete 2008, dass sich Kaffee diesbezüglich kaum von Wasser unterscheidet. Kaffee wird bis zu 84% innerhalb eines Tages wieder ausgeschieden, Wasser zu 81% – also kaum ein Unterschied. Somit kann man Kaffee durchaus in die tägliche Flüssigkeitsbilanz miteinrechnen.

 

Wie wirkt Kaffee?
Woraus besteht Kaffee eigentlich? Man schätzt, dass Kaffee aus über 1.000 Inhaltsstoffen zusammengesetzt ist, von denen viele noch gar nicht bekannt sind. Die in der Kaffeebohne enthaltenen Kohlenhydrate schlagen kaum zu Buche und verbleiben im Kaffeesatz. Da auch die Fette nicht wasserlöslich sind, kommen sie nur noch in Spuren im fertigen Getränk vor. Dadurch wird verständlich, dass eine Tasse Kaffee nur 3 kcal enthält und somit die tägliche Kalorienbilanz überhaupt nicht belastet – natürlich nur, solange der Kaffee schwarz getrunken wird.
Cirka 80 verschiedene Säuren sind im Kaffee enthalten, z.B. Essigsäure, Zitronensäure und Kaffeesäure. Am stärksten ist die Clorogensäure vertreten, die zu den sekundären Pflanzenstoffen gehört und über antioxidative Eigenschaften verfügt. Der wichtigste Inhaltsstoff des Kaffees ist Koffein, das in der gerösteten Bohne zu 1,3 bis 2,0% enthalten ist. Eine Tasse Filterkaffee enthält ca. 80 mg Koffein, das innerhalb von 30 Minuten vom Magen-Darm-Trakt resorbiert und in die Blutbahn abgegeben wird. 
Die belebende Wirkung des Koffeins ist dadurch zu erklären, dass es die Wirkung des Hormons Adenosin reduziert. Adenosin wirkt ermüdend und schlaffördernd, weil es die Ausschüttung von Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin verhindert. Koffein sorgt also dafür, dass das Adrenalin in seiner Wirkung gehemmt und die „belebenden“ Hormone weiterhin ausgeschüttet werden. Dadurch fühlt man sich drei bis fünf Stunden munterer.

 


Die Herz-Kreislauf-Sterblichkeitsrate von Kaffeetrinkern ist gegenüber Nichttrinkern um 43% vermindert.


 

Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduziert
Kaffee erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkankungen nicht, ganz im Gegenteil! Die weltbekannte Framingham-Studie bewies, dass die Herz-Kreislauf-Sterblichkeitsrate von Kaffeetrinkern gegenüber Nichttrinkern um 43% vermindert ist. Aus elf weiteren Studien weiß man, dass das relative Risiko für einen Schlaganfall bei einem moderaten Kaffeekonsum von 2 Tassen pro Tag auf 86%, bei 3 bis 4 Tassen auf 83% zurückgeht. Auch eine schwedische Studie bewies, dass das Risiko eines Hirninfarkts bei Frauen, die mindestens eine Tasse Kaffee pro Tag trinken, um bis zu 25% zurückgeht. 
Eine großangelegte amerikanische Studie an 130.000 Personen zeigte Erstaunliches: Kaffeetrinker mussten seltener wegen Herz-Rhythmusstörungen in die Klinik als Nicht-Kaffeetrinker. Auch wer bereits einen Herzinfarkt erlitt, hatte als Kaffeetrinker einen Vorteil: es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Sterblichkeit nach einem Herzinfarkt. Patienten, die 5 bis 7 Tassen Kaffee tranken, hatten ein nahezu halbiertes Sterblichkeitsrisiko. 

 

Weniger Diabetes Typ 2
7 bis 8 Millionen Deutsche leiden unter Diabetes und jedes Jahr kommen über 300.000 Neuerkrankungen dazu. Insofern ist die Beobachtung, dass Kaffee eine Schutzwirkung gegenüber Typ-2-Diabetes hat, von größter Bedeutung. Eine Studie von Huxley an über 500.000 Teilnehmern zeigte, dass das Erkrankungsrisiko pro Tasse Kaffee um 7% sinkt. Bei vier Tassen am Tag sind das schon 28%. Man ist sich heute noch nicht sicher, worauf dieser Effekt beruht. Möglicherweise wird die Insulinresistenz reduziert, die als eine entscheidende Ursache für die Entstehung von Diabetes gilt.

 

Geringeres Demenz-Risiko
Immer mehr ältere Menschen leiden unter den schlimmen Folgen der Demenz. Mehrere wissenschaftliche Studien stützen die Annahme, dass dauerhafter Kaffeegenuss das Risiko, an einer Demenz – beispielsweise Alzheimer – zu erkranken, deutlich reduzieren kann. In einer aufsehenerregenden finnischen Studie an über 2000 Personen wurde untersucht, wie sich der Konsum von wenig Kaffee (0 – 2 Tassen), mäßig Kaffee (3 – 5 Tassen) und viel Kaffee (über 5 Tassen) auf das Erkrankungsrisiko auswirkt. Dabei zeigte sich Erstaunliches: die Kaffeetrinker erkrankten deutlich weniger an Demenz als die Nichttrinker, wobei der Effekt bei den mäßigen Kaffeetrinkern am deutlichsten war. Hier betrug die Risikoreduzierung nicht weniger als 65%! Worauf dies zurückzuführen ist, ist noch unklar. Man vermutet aber, dass der hohe Gehalt des Kaffees an Antioxidantien eine große Rolle spielt. 


Kaffee vor dem Training
Koffein ist ein milder psychoaktiver Wirkstoff, dessen volle Wirkung 30 bis 60 Minuten nach der Aufnahme eintritt und etwa drei bis fünf Stunden anhält. Dosierungen von etwa 2 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht – für eine 80g schwere Person sind das Eine fizwei Tassen Filterkaffee – bewirken eine Steigerung der Aufmerksamkeit, Konzentration, Koordination und Reaktionsfähigkeit. Außerdem wird die körperliche Ausdauer-Leistungsfähigkeit verbessert und der Fettstoffwechsel wird angekurbelt, so dass wertvolles Muskelglykogen eingespart und die mögliche Belastungsdauer größer wird. 
Darüber hinaus können auch Kraftsportler von Koffein profitieren: Aktuelle Studien haben gezeigt, dass Koffein die willkürliche Kontraktionsfähigkeit des Muskels erhöht und die muskuläre Ermüdung hinauszögert, indem es das Verhältnis von Natrium und Kalium und die Kalziumbindung im Muskel günstig beeinflusst. Daneben bewirkt Koffein eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit bei niedriger und mittlerer Intensität.

 


Durchschnittlich trinken die Deutschen 150 Liter Kaffee pro Jahr, Tendenz steigend


 

…und danach
Aber auch nach dem Training kann sich Kaffee positiv bemerkbar machen. Nach dem Training sind die Energiespeicher leer und die Glykogenvorräte müssen neu aufgefüllt werden, denn ohne ausreichend gefüllte Glykogenspeicher ist ein weiteres Training sinnlos. Dies funktioniert am besten mit kurzkettigen Kohlenhydraten, die dem Körper nach dem Training zugeführt werden. Australische Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass Koffein dabei entscheidend hilft, denn es beschleunigt die Neubildung von Glykogen um bis zu 66%. 
Ist Kaffee also ein wahres Wundergetränk? Fast könnte man es so sagen. Kaffee belebt, stärkt die Konzentration, vermindert das Risiko zahlreicher Erkrankungen, steigert die Kraft- und Ausdauerfähigkeit und sorgt sogar noch dafür, dass sich die Energiespeicher schneller wieder füllen. Und das nahezu ohne Risiken und Nebenwirkungen. Fragen Sie also nicht Ihren Arzt oder Apotheker, sondern lieber Ihren Trainer!