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Fasten führt zum Muskelabbau

Ist Fasten ein „Allheilmittel“ für alle, die schnell überflüssige Pfunde verlieren wollen? Immer wieder kann man das lesen, aber stimmt es auch? Darüber sprach FITNEWS ONLINE mit dem bekannten Ernährungsexperten Dr. Sven-David Müller.

© Wayhome Studio - stock.adobe.com


„Fasten kann nicht entschlacken, ist ungeeignet zur Gewichtsreduktion und bedeutet Stress für den Stoffwechsel“, macht Dr. Sven-David Müller gleich zu Anfang deutlich. Menschen, die mit einer Fasten-Kur beginnen, müssen damit rechnen, dass sie reichlich Muskelmasse in kurzer Zeit verlieren und ihre Gesundheit schädigen können. Das Deutsche Kompetenzzentrum Gesundheitsförderung und Diätetik warnt nachdrücklich vor unkontrolliertem „Fasten“, vor „Nulldiät“ oder „Heilfasten“, denn diese Außenseiter-Kostformen schädigen den Organismus, betont Müller.

Zur Übergewichtsbekämpfung ist Fasten völlig ungeeignet. Der Einsatz von Glaubersalz (Natriumsulfat-Hydrat), einem Abführmittel, das oftmals bei „Heilfasten“ zur Darmreinigung eingesetzt wird, schädigt den Darm und sollte in jedem Falle unterbleiben. Die Wirkung des „Heilfastens“ bei Erkrankungen sowie zur Entgiftung oder Entschlackung ist wissenschaftlich höchst umstritten. Kontraproduktiv ist, dass Fasten zu einer Stoffwechsellage führt, die alle Substrate und Hormone im Organismus berührt und keine Selbstreinigung, sondern einen extremen Stoffwechselstress bewirkt, warnt Müller.

 


Unkontrolliertes Fasten schädigt die Gesundheit!


 

Nicht zu vergessen ist, dass Fastenkliniken, Fastenbuchautoren und Fastengruppen viel Geld mit dem von ihnen als gesund, heilend oder wertvoll propagierten Fasten verdienen. Für den Organismus bedeutet eine Nullkalorienzufuhr oder eine Energiezufuhr unter 800 Kilokalorien aber einen bedrohlichen Notstand, der auch im Abbau von Muskulatur, leider auch des Herzmuskels, endet. Viele Übergewichtige meinen, dass ihnen Fasten hilft, doch das Gegenteil ist der Fall, denn der Fettgewebsverlust ist nur gering.

Der Muskulaturverlust hingegen ist groß und das führt unweigerlich zum Jo-Jo-Effekt. Wer abnehmen möchte, muss dauerhaft sein Ernährungsverhalten in Richtung eiweißreicher, kohlenhydrat- und ballaststoffreicher, aber fettarmer Kost umstellen und nicht fasten, erklärt Müller. Fasten zur Gewichtsreduktion ist vorwiegend in Mitteleuropa verbreitet, in anderen Industrieländern ist diese Methode jedoch längst aufgegeben worden, sagt auch der renommierte Adipositasexperte Prof. Dr. Alfred Wirth.

Ernährungsmedizinisch betrachtet ist eine „Fastenkur“ auch nur für völlig gesunde Menschen kurzfristig geeignet. Fasten kann zu Kopfschmerzen, trockener Haut, Mundgeruch und dem Ausbleiben der Regelblutung führen, erläutert Müller die weniger bedenklichen Auswirkungen. Fasten kann durch die Bildung von Ketonkörpern zur Übersäuerung und zu Hyperurikämie führen sowie schmerzhafte Gichtanfälle auslösen. Der Mineralstoff- und Vitaminmangel kann zu einer Reihe von Komplikationen führen: zu niedrigem Blutdruck, Durchblutungsstörungen des Gehirns, Herzrhythmusstörungen, Nierensteinleiden und Nierenversagen.

 


Fasten führt direkt zum Jo-Jo-Effekt


 

Eine Kontraindikation stellen Schwangerschaft, Stillzeit, psychische Störungen und Krankheiten der Leber, Herz und Nieren dar. Krebskranke oder Menschen, die unter einer Anämie leiden, dürfen ebenfalls unter keinen Umständen fasten. Auch Diabetiker (insbesondere Typ 1), Rekonvaleszente, Kinder und Jugendliche, Senioren, vor allem aber geschwächte oder chronisch kranke Menschen nehmen gesundheitlichen Schaden durch Fasten.

Begriffe wie „Entschlackung“ und „Entgiftung“ sind wissenschaftlich unbegründbar, da die aus den Nahrungsbestandteilen entstehenden Abbauprodukte normalerweise durch den Organismus ausgeschieden werden, formuliert Prof. Dr. Zunft vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke. Eine Anhäufung unerwünschter, giftiger Endprodukte des Stoffwechsels bleibt unter normalen Bedingungen ohnehin aus.

Für eine Körpergewichtsreduktion ist Fasten also ungeeignet. Zweifelsohne können Übergewichtige theoretisch durch Fasten am schnellsten und ungesündesten Gewicht verlieren, denn keine andere Methode liefert ein größeres Energiedefizit. Der Organismus baut jedoch nicht nur Depotfett, sondern vor allem Muskulatur ab. Doch diese dürfen übergewichtige Menschen nicht reduzieren. Der erhebliche Abbau von Muskulatur senkt die Leistungsfähigkeit und leider auch den Grundumsatz. Einfach ausgedrückt führt Fasten direkt zum Jo-Jo-Effekt und macht damit immer dicker.

 


Es gibt keine „Entschlackung“ durch Fasten!


 

Wer dem Körper länger als fünf Tage keine Energie und Proteine zur Verfügung stellt, betreibt Raubbau am eigenen Körper. Das Verhältnis von Muskelmasse zur Fettmasse verändert sich ungünstig. Da die Muskelmasse aus sehr aktiven und energieverbrauchenden Körperzellen besteht, die die chemische und physiologische Arbeit für den Organismus bewältigen, sinkt bei geringer Muskelmasse der Energiebedarf dauerhaft und deutlich. Dadurch wird das Gewebe welk und schlaff.

 

Fazit
Vom Fasten ist abzuraten, denn es versetzt den Körper in eine Ausnahmesituation. Wer fastet, läuft durch den Jo-Jo-Effekt Gefahr, langfristig immer dicker zu werden. Die beste Methode, gesund und dauerhaft Übergewicht zu reduzieren, besteht in einer moderaten Ernährungsumstellung in Verbindung mit körperlicher Aktivität, insbesondere der Kräftigung der Muskulatur. Dies ist eine Philosophie, wie sie von unserem Fitnessclub propagiert und angewendet wird!