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Bewegung als Lebenselixier

Dr. Johannes R. Weingart zeigt, warum Bewegung für unsere Vitalität so wichtig ist und was wir lieber meiden sollten.

© NDABCREATIVITY - stock.adobe.com


Sie nannten ihn Carlo, den Großen. Eine imposante Erscheinung war der 40-Jährige: zwei Meter groß, ganze 100 Kilo schwer. Er kam in eines meiner Seminare, um seine, wie er sagte, „Performance zu verbessern“. Er wollte endlich mal wieder eine Treppe schaffen, ohne klitschnass geschwitzt zu sein. 

Carlo der Große, hatte zwei Hauptprobleme: sein vergeblicher Kampf gegen die Pfunde und seine Bewegungslosigkeit. In puncto Bewegung war er davon überzeugt, dass dieser Zug für ihn abgefahren sei - dafür seien seine Knie einfach schon zu kaputt. Gegen seine Überzeugung lockte ich ihn zum Laufen in den Wald, „verführte“ ihn zur Bewegung. Er sollte erkennen, dass regelmäßige Bewegung die Grundvoraussetzung für ein vitales Leben ist. 

Und tatsächlich: Nach anfänglichem Zögern lief es bei Carlo bestens. Nach nur sechs Wochen hatte er schon sechs Kilo verloren. Sein tägliches Bewegungspensum hatte er auf knapp vier Kilometer Walking gesteigert. Schon nach wenigen Tagen hatten auch die Schmerzen nachgelassen - er konnte schließlich sogar wieder ganz schmerzfrei gehen. „Ein saugutes Gefühl“, strahlte Carlo Monate später, „jetzt stimmt sie endlich, meine Performance.

 

Der Mensch - ein Bewegungstier
Der Mensch war ursprünglich Sammler und Jäger und musste, um seine Existenz zu sichern, täglich 20 bis 30 Kilometer zurücklegen. Erst vor 15.000 Jahren wurde der Mensch sesshaft, seine tägliche Gehstrecke kürzer und kürzer. In der Entwicklungsgeschichte ist das ein sehr kurzer Zeitraum - zu kurz für eine Anpassung.

 


Der Mensch ist der Entwicklungsgeschichte nach auf Bewegung ausgelegt.
Die Bewegungsarmut der modernen Welt ist entsprechend gegen seine Natur.


 

Besonders die letzten rund 50 Jahre sind von Bewegungsarmut geprägt: Zur Arbeit fahren wir mit dem Auto, den ganzen Tag sitzen wir im Büro und lümmeln uns abends auf der Fernsehcouch. Vom Faulheitsstandpunkt aus gesehen hatte es der Mensch in seiner Geschichte nie besser. Doch die Kehrseite des Fortschritts kennt vermutlich auch jeder - und zwar aus eigener Erfahrung.

 

Bewegungsmangel macht schlapp
Kommt Ihnen das bekannt vor? Irgendwie fühlen Sie sich nicht wohl. Sie schlafen schlecht, und tagsüber sind Sie meistens müde. Die Glieder schmerzen. Jede Treppe lässt Sie keuchen. All das sind deutliche Symptome für Bewegungsmangel. 

Nur noch bei rund 10 Prozent der Berufstätigen hierzulande ist die Arbeit mit körperlicher Anstrengung verbunden (dagegen klagt jeder Zweite über psychischen Stress). Weniger als ein Drittel der Erwachsenen treibt mindestens einmal pro Woche Sport.

Von den über 50-Jährigen ist sogar nicht einmal jeder Fünfte aktiv. Und nur jeder zehnte Erwachsene verbrennt durch sportliche Aktivität pro Woche zusätzlich mindestens 800 Kilokalorien (ideal wären 2000 bis 3000 Kilokalorien). Das sind ernüchternde Fakten. 

Doch wer sportliche Bewegung meidet, riskiert Übergewicht. Kein Wunder also, dass mehr als die Hälfte der Deutschen - 65 Prozent der Männer und 50 Prozent der Frauen - zu dick sind, zum Teil sogar dramatisch. Schon ein „kleines Bäuchlein“ kann bewirken, dass das Becken nach vorn kippt.

Diese kaum sichtbare Veränderung wird später für Schmerzen sorgen, weil sich der Abrieb am Hüftgelenk um das Zehnfache erhöht. Vor allem aber ist Bewegungsmangel ein tückischer Energieräuber, dem schließlich auch ein Großteil der Lebensfreude zum Opfer fallen kann.

 

Bewegung - Basis für Energie und Lebensfreude
In seinem Bestseller „Mensch, beweg Dich!“ hält Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ein leidenschaftliches Plädoyer für mehr Bewegung. Nicht nur er hält regelmäßige körperliche Aktivität für die beste Medizin. Mehr noch: Bewegung und vernünftig dosierter Sport sind die Basis für mehr Energie und Lebensfreude.

Heraklid, einer der großen griechischen Philosophen, prägte für die Natur, auch die menschliche, ein einfaches Bild: »Panta rhei - alles fließt«. Tatsächlich ist auch der Mensch nur gesund und in Balance, wenn seine Systeme im Fluss sind: 
 

  • Das Blut muss fließen, um Sauerstoff und Nährstoffe bis in die kleinsten Kapillaren des Körpers zu transportieren. 
  • Die Lymphe muss fließen, um Schlacken abzutransportieren.
  • Die Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) muss fließen, um die Steuerzentrale mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen. 

Stellen Sie sich einmal ein stehendes Gewässer vor. Was geschieht, wenn sich dort gar nichts mehr bewegt, weil es weder einen Zufluss noch einen Abfluss gibt? Das Gewässer kippt um, es erstickt in den eigenen Abfallstoffen und stirbt über kurz oder lang. Im Prinzip gilt das auch für unseren Körper.

 

Bewegungsmangel ist wider unsere Natur
Nur durch regelmäßige Bewegung bleiben Körper und Seele gesund. Faulheit bringt das ganze System aus der natürlichen Balance. Bei totalem Bewegungsmangel (etwa bei absoluter Bettruhe) ist ein dramatischer Rückgang der Leistungsfähigkeit zu beobachten. Nach nicht mal zehn Tagen haben Herz, Kreislauf, Atmung und Stoffwechsel ein Fünftel ihrer Kapazität verloren.  

Die Herzschlagzahl und der Milchsäurespiegel (Lactat) im Blut sind deutlich erhöht, das Immunsystem geschwächt, der Knochenabbau schreitet voran, was an auffällig viel Calcium im Urin abgelesen werden kann.Die Gesundheit unserer Gelenke hängt auf besondere Weise von regelmäßiger Bewegung ab. Ohne Bewegung „verhungern“ die Gelenke, weil dem Knorpelgewebe dann nicht die nötigen Nährstoffe zugeführt werden können. 

 


Tägliche Bewegung und dosierter Sport sind die beste Grundlage für Energie und Lebensfreude.


 

Er funktioniert ja wie ein Schwamm, aus dem aufgesogene Gelenkflüssigkeit beim Zusammendrücken ausgepresst wird und der bei Entlastung wieder neue Flüssigkeit aufnimmt. Aus der neuen Gelenkflüssigkeit erhält er seine Nährstoffe, seine Abfallstoffe gibt er mit der ausgepressten Flüssigkeit ab. Und die Inhaltsstoffe der Gelenkflüssigkeit werden bei Bewegung ständig über die blutgefäßreiche Gelenkinnenhaut ausgetauscht.

 

Intelligenz passt sich an
Unser Körper ist intelligent. Diese Körperintelligenz sorgt dafür, dass sich unser System den aktuellen Erfordernissen anpasst. Dieses Prinzip der biologischen Anpassung (Adaption) gilt so oder so: 

Wenn wir unseren Körper fordern, ihn z.B. durch Training stärkeren Belastungsreizen aussetzen, wird sich der betroffene Muskelapparat, das Herz-Kreislauf-System, sogar die Verdauung rasch auf die höheren Anforderungen einstellen. Die Folge: eine Verbesserung der Struktur. Je mehr und intensiver wir trainieren, umso besser wird unsere Leistungsfähigkeit. 

Wenn wir aber den Körper zu wenig fordern, also unterfordern, schaltet das ganze System auf Sparflamme, weil sich die Natur nicht den Luxus leistet, etwas mitzuschleppen, das offensichtlich nicht mehr richtig gebraucht wird. Die fatale Folge ist, dass unser Leistungsvermögen stetig abnimmt. 

Nur wer seine Gelenke häufig - am besten täglich - dosiert mit der richtigen Bewegung beansprucht, sorgt dafür, dass genügend Gelenkschmiere entsteht, die Knorpel ausreichend ernährt werden und die stabilisierenden Muskeln funktionstüchtig bleiben.

 

Die besten Sportarten für Körper, Geist und Gelenke
Neben der richtigen Dosierung der sportlichen Belastung kommt es darauf an, die richtige Sportart auszuwählen. Als Sportarten, die die Gelenke strapazieren und auf Dauer schädigen, gelten unter anderem Hoch- und Weitsprung, Fußball, Handball, Basketball und Tennis.

 


Fordere, aber überfordere Dich nie.
Lerne, Deinen inneren Schweinehund von wirklichem körperlichem Ruhebedürfnis zu unterscheiden!


 

Vor allem mit zunehmendem Alter sollte man sie vermeiden. Sinnvoll - weil gelenkschonend - sind im Studio: Walking auf dem Laufband, Fahrradergometer und Crosstrainer. Im Freien: Nordic Walking, Wandern, Radfahren und Schwimmen. 

Wer bereits Schwierigkeiten mit der Wirbelsäule, den Hüft-, Knie-und Fußgelenken hat, sollte möglichst nicht joggen, denn der Aufprall beim Aufsetzen der Füße entspricht jeweils dem 2,5-fachen Körpergewicht und stellt eine starke Belastung dar. Die Sportarten, die wir empfehlen, erfüllen diese Kriterien: 

  • Der ganze Körper wird gleichmäßig beansprucht
  • Die Verletzungsgefahr ist eher gering
  • Die Technik ist unkompliziert zu lernen
  • Die Sportart ist jederzeit, überall und bis ins Alter auszuüben